Nachhaltigkeit ist ein strategisches Element der Unternehmensführung
Interview mit Achim Lohrie, Direktor Unternehmensverantwortung, Tchibo GmbH

foodactive: Die Tchibo GmbH richtet seit dem Jahr 2006 eigene Unternehmensaktivitäten an Nachhaltigkeitsgrundsätzen aus. Gab es hierfür einen konkreten Anlass?
Lohrie: Als wir uns in 2006 diesem Thema stellten, wurden wir in der Öffentlichkeit mit Berichten konfrontiert in denen uns vorgeworfen wurde, dass unsere Produkte nicht den üblichen Umwelt- und Sozialstandards entsprechen. Die Tchibo GmbH ist einer der größten deutschen Distributoren von Kaffee, Textilien und Möbeln. Viele Stufen der unterschiedlichen Wertschöpfungsketten befinden sich in Schwellenländern. Uns wurde seinerzeit bewusst, dass wir uns auch für die Produktionsbedingungen bei unseren Lieferanten verantwortlich fühlen müssen.
foodactive: Bleiben wir beim Kaffee. Wie gelingt es Ihnen heute die Transparenz in der Wertschöpfungskette herzustellen?
Lohrie: Die räumliche Distanz zwischen Anbau und Verarbeitung des Kaffees ist die eine, die Kleinteiligkeit der Erzeugerstrukturen eine andere Herausforderung. Dennoch ist es uns über eigene Projekte z.B. in Guatemala und Kenia gelungen, eine große Zahl von Erzeugern mit unseren Produkt- und Herstellungsanforderungen vertraut zu machen und sie bei der Umstellung auf höhere Standards zu unterstützen. Wir bieten ihnen heute technische und finanzielle Unterstützung an und arbeiten hierzu mit NGO’s in den jeweiligen Ländern zusammen. So haben wir es geschafft bis Ende 2009 ca. 8% unseres Rohkaffeeeinkaufs auf nachhaltige Qualitätsstandards umzustellen. Unser Ziel ist es den Anteil in den nächsten Jahren auf mehr als 20% zu steigern.
foodactive: Wie definieren Sie denn diesen nachhaltigen Qualitätsstandard? Man hat das Gefühl das es zwischenzeitlich einen Wettstreit der Labelsysteme gibt.
Lohrie: Wir nutzen Labelsysteme die von den NGO’s anerkannt werden und zu unserer Produktrange passen. Für unser Kaffeegeschäft spielt vor allem der „Common Code for the Coffee Community“, das FAIRTRADE-Siegel, das Rainforest Alliance Certifikat und das Bio-Label nach der EG-Öko-Verordnung eine Rolle.
foodactive: Insgesamt sind die Aufwendungen für Einführung und Überwachung nachhaltiger Qualitätsstandards hoch. Wo ist der Return on Investment?
Lohrie: Nachhaltigkeitsgrundsätze für den Einkauf und die Distribution von Produkten sind ein strategisches Element unserer Unternehmensführung. Insofern erwarten wir keinen kurzfristigen Return on Investment. Andererseits wird Tchibo heute vom Endverbraucher anders wahrgenommen. Wir gehen davon aus, dass die Sensibilität für das Thema in unserem Preissegment weiter zunimmt. Wir sichern uns jetzt den Zugang zu hochwertigen Rohstoffen und streben eine langfristige Partnerschaft mit unseren Lieferanten an. Das wird uns bei knapper werdenden Ressourcen helfen unser Geschäft abzusichern.
foodactive: Herr Lohrie, vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte Jürgen Enkelmann, Leiter Ernährungswirtschaft der SAG
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