8. Ernährungsforum gibt Anregung zur Reststoffverwertung und Prozessoptimierung

Hamburg-Harburg, 4. April 2008 - Reststoffe und Nebenprodukte fallen in der Lebensmittelproduktion in großen Mengen an. Sie werden oft als Tierfutter verwendet oder kostenpflichtig entsorgt. Doch viele dieser Reststoffe enthalten wertvolle Inhaltsstoffe, die zur Herstellung von hochwertigen Lebensmitteln und Kosmetika oder zur Energieerzeugung verwendet werden können.

Im Zentrum des Vortrags von Herrn Prof. Dr. Ing. Habil Benno Kunz vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaft an der Universität Bonn stand die Gewinnung und Nutzung funktioneller Inhaltstoffe. In diesem Zusammenhang wurde ein Up-grading Konzept vorgestellt, das den Einsatz von Reststoffen in sog. funktionellen Lebensmitteln (Functional food) ermöglicht. Hierzu laufen bereits umfangreiche Verbundprojekte mit Industriepartnern. Dabei werden Nahrungsmittel mit überwiegend natürlichen Nährstoffen wie Mineralstoffen, Vitaminen,  Ballaststoffen oder probiotischen Bakterienkulturen ergänzt und versprechen so einen gesundheitlichen Zusatznutzen. Beispiele hierfür sind Milchprodukte mit probiotischen Milchsäurebakterien zur Verbesserung der Darmflora, mit antioxidativen Vitaminen angereicherte ACE-Getränke, Margarine mit Cholesterin senkenden Phytosterinen oder Omega-3-Fettsäuren. Viele der hierfür benötigten Substanzen können auch aus Reststoffen gewonnen werden. Damit entstehen zum einen erweiterte Verwertungsmöglichkeiten, zum anderen allerdings auch neue technologische und logistische Fragenstellungen. So ist die Lagerung und Stabilisierung sensitiver Lebensmittelkomponenten mit zusätzlichen Aufwendungen verbunden, die häufig nur im Zusammenwirken mit Hochschul- und Forschungseinrichtungen abgeschätzt werden können.

Die Verwertung von organischen Reststoffen in Biogasanlagen unterliegt dagegen relativ klaren wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen. Das machte der Vortrag von Herrn Dipl. Ing. Jan Dohrmann vom Ingenierbüro biowatt consult deutlich. Einziger Unsicherheitsfaktor ist eine für das Jahr 2009 avisierte Neufassung des EEG mit daraus zu erwartenden Veränderungen bzgl. der Genehmigungspraxis und der Einspeisevergütung. In Anbetracht der aktuellen Entwicklung auf den Rohstoffmärkten ist die Benachteiligung von Biogasanlagen, die Reststoffe verwerten,  gegenüber Anlagen, die nachwachsende Rohstoffe verarbeiten, bzgl. der Einspeisevergütung kritisch zu sehen. Darüber waren sich auch die ca. 40 Teilnehmer der Veranstaltung in der anschließenden Diskussion einig. Insofern ist es sicher weiterhin der „Königsweg“, den Anfall von Reststoffen im eigenen Herstellungsprozess zu minimieren und die Energiekosten durch gezielte Maßnahmen der Prozessoptimierung zu senken.

Dieses Thema griff Herr Dipl. Ing. (FH) Christian Lembke von der ProVentplan GmbH auf. Er machte an konkreten Beispielen deutlich, dass das Einsparpotenzial im technologischen Prozess immer noch hoch ist. Wie man durch eine systematische Anlagenanalyse diese Potenziale heben kann, war Schwerpunkt des Vortrags. In der anschließenden Diskussion machten die Veranstalter Süderelbe AG und Ernährungsinitiative Nordostniedersachsen, getragen von den Wirtschaftsförderungen in Uelzen und Lüchow-Dannenberg, deutlich, dass sie dieses Thema im Verbund mit interessierten Unternehmen weiter bearbeiten wollen. Grundlage hierfür sind die derzeit laufenden Arbeiten zum Aufbau eines regionalen Clustermanagements Ernährungswirtschaft. Dieses bietet die Basis, um konkrete Projektaktivitäten personell und finanziell zu unterstützen.

Die Veranstaltung endete traditionell mit einem Get-togehter, dass den Teilnehmern die Gelegenheit zur  Kontaktaufnahme mit Referenten, Kollegen und Veranstaltern bot.

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